Gérard-Gäfgen-Medaille


Seit 2011 verleiht die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö) einmal im Jahr die Gérard-Gäfgen-Medaille jeweils an eine Person, die sich um die Entwicklung der Gesundheitsökonomie in Deutschland in besonderer Weise verdient gemacht hat. Die Auswahl der Preisträgerin oder des Preisträgers obliegt dem Engeren Vorstand.

Namensgeber


Der Namensgeber, Gérard Gäfgen, wurde 1925 in Luxemburg geboren und starb 2005 in Konstanz. Von 1950 bis 1955 studierte er Volkswirtschaftslehre und Soziologie in Köln und promovierte 1955 über die „Problematik der Investitionsquote in der westdeutschen Wirtschaft“. Er habilitierte sich 1961 an der Universität Köln zum Thema „Elementare Theorie der wirtschaftlichen Entscheidung“. Im Jahr 1962 vertrat Gérard Gäfgen an der Universität Hamburg den Lehrstuhl von Karl Schiller, der zum Wirtschaftssenator in Berlin berufen worden war. Im selben Jahr wurde er zum Ordinarius an der Technischen Hochschule Karlsruhe berufen. 1965 wurde er Direktor des Sozialökonomischen Seminars an der Universität Hamburg. Im Jahr 1969 wurde er an die junge Universität Konstanz berufen, der er bis zu seiner Emeritierung treu geblieben ist. Ehrenvolle Rufe nach Wien und Zürich hat er abgelehnt. 1970 wurde er in den Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesminister für Wirtschaft berufen. 1994 verlieh ihm die Hochschule St. Gallen in Anerkennung seiner Verdienste die Ehrendoktorwürde.

Gérard Gäfgen war einer der Gründerväter der Gesundheitsökonomik in Deutschland. Auf seine Initiative ging die Gründung des Ausschusses für Gesundheitsökonomie im Verein für Socialpolitik zurück. Er war ein Theoretiker und hat mit den seinerzeit modernsten Methoden des Fachs gearbeitet, mit algebraischen Modellen und mit Grafiken. Er war somit ein Vorbild und Wegbereiter für jüngere Fachkollegen. Dabei hat er sich mit allen wichtigen und grundlegenden Problemen des Gesundheitswesens beschäftigt. Dies bezeugen die Titel seiner Arbeiten, etwa „Die optimale Gesundheitsquote. Ein Problem der Verwendungsstruktur des Sozialprodukts“ (1984), „Gesundheit, Gerechtigkeit und Gleichheit: Distributive Aspekte der Gesundheitsversorgung“ (1989) oder „Das Dilemma zwischen humanem Anspruch und ökonomischer Knappheit im Gesundheitswesen“ (1998).

Gérard Gäfgen hat die ökonomische Denkweise immer konsequent vertreten, war in dieser Hinsicht ein liberaler Ökonom und ein Ordnungsethiker. Er hat die Gesundheitsökonomik inmitten der Wirtschaftswissenschaften etabliert und nicht an ihrem Rand. Er hatte ein hohes Ansehen, das weit über die Grenzen unseres Faches hinaus reichte.